Text

Politische Führungsstärke, Beständigkeit, langfristige Planung, Geduld, öffentlich-private Partnerschaften und Durchhaltevermögen – wer dafür ein lehrreiches Beispiel suchte, wurde auf der jüngsten Konferenz der IAKS UK & Irland „Sportcity Manchester – sportorientierte Stadterneuerung“ fündig. Bei der Veranstaltung im September informierten sich mehr als 140 Teilnehmende aus dem Vereinigten Königreich und Irland sowie Fachkolleginnen und -kollegen aus Europa und Südamerika darüber, wie Manchester mithilfe des Sports seine Industriebrachen im Ostteil der Stadt in ein lebendiges Aktivitäts- und Unterhaltungsviertel verwandelt hat.

Bericht von Stephen Bromberg, Lee Valley Regional Park Authority

 

Das zweitägige Event fand in der Co-op Live Arena, im National Cycling Centre und im Etihad Stadium statt. Es gab Führungen durch alle drei Anlagen und den Trainingscampus der City Football Academy. Im Mittelpunkt stand der Medlock Square, ein neues Unterhaltungs- und Hotelareal, das den Aufenthalt rund um Veranstaltungen verlängern und zu einer früheren Anreise motivieren soll.

Preview image
Bild
Manchester Sport City Velodrome
Content
Text

Politische Kontinuität

Image
Bild
Manchester Sport City Velodrome

© IAKS | Silke Baltzer

Text

Über ein Vierteljahrhundert lang hatte Manchester denselben Verwaltungschef und Stadtratsvorsitzenden. So blieb der Sport als Motor des Wandels im Osten der Stadt dauerhaft im Fokus. Eine derart langfristige politische Führung ist selten, wie zahlreiche Referenten der Konferenz betonten. Sie würdigten den prägenden Einfluss von Sir Howard Bernstein, Verwaltungschef von 1998 bis 2017, und von Sir Richard Leese, der den Stadtrat von 1996 bis 2021 leitete und damit der am längsten amtierende Ratsvorsitzende der Stadt war. 

Shaun Dawson, Vorsitzender der Arbeitsgruppe IAKS UK & Irland, begrüßte die Teilnehmenden. Als Chief Executive der Lee Valley Regional Park Authority kennt er sich mit Stadterneuerung durch Sport bestens aus. Der Regionalpark spielte eine zentrale Rolle bei der Umsetzung des sportlichen Vermächtnisses von London 2012 und wurde zu einem zentralen Motor, um das Londoner Lower Lee Valley ähnlich grundlegend zu transformieren wie den Osten Manchesters. „Wir hatten politische Kontinuität: Man ist nie von der Vision abgewichen“, erklärte er den Teilnehmenden.

Text

Beeindruckende Führungen als Anschauungsbeispiel

Text

Als erster Referent sprach Guy Dunstan, General Manager der Co-op Live Arena. Die neue Großarena, die für 365 Millionen GBP errichtet wurde, stellt Musik, Fans und das Besuchererlebnis in den Mittelpunkt. Mit jährlich 1,5 Millionen Besuchern ist sie schon jetzt ein großer Erfolg. Laut Dunstan wurde sie „als nachhaltigste Veranstaltungsstätte der Welt geplant und gebaut“. Die Arena verfügt über ein Regenwasserauffangsystem und Solarmodule, wird zu 100 % elektrisch betrieben und produziert keine Deponieabfälle. Dunstan sprach über die positiven Auswirkungen der Arena auf den Arbeitsmarkt und das Wirtschaftswachstum – zwei Elemente der ursprünglichen Vision des Stadtrats für das Gebiet.

Anschließend ging es für die Teilnehmenden weiter zum National Cycling Centre, der Heimat der Radsport-Eliteteams von British Cycling. Als erste Sportstätte, die in diesem Teil Manchesters errichtet wurde, steht es sinnbildlich für den Ehrgeiz und die Entschlossenheit der Stadt. „Manchester war ein wirklich schwieriger Ort, eine postindustrielle Stadt auf der Suche nach einer neuen Richtung“, erklärte Eamonn O’Rourke von Manchester Active, der seit 1976 in der Stadt tätig ist.

Kohle, Chemie, Stahl: Eine Branche nach der anderen verließ die Region, und Tausende Arbeitsplätze gingen verloren. Der Stadtrat machte es sich deshalb zur Maxime, Arbeitsplätze zu schaffen, und sah im Sport ein Mittel, um dieses Ziel zu erreichen.

Image
Bild
CoOp Live IAKS

© IAKS | Silke Baltzer

Image
Bild
Manchester Velodrome

© IAKS | Silke Baltzer

Text

Beharrlichkeit zahlt sich aus und bringt die gewünschten Ergebnisse

Image
Bild
Manchester Velodrome

© IAKS | Silke Baltzer

Text

Manchester bewarb sich um die Olympischen Spiele 1996 und 2000 und baute das Velodrom im Rahmen der Bewerbung für 2000. Diese und mehrere weitere Kandidaturen scheiterten, doch die Stadt lernte aus jedem Anlauf und erhielt schließlich den Zuschlag für die Commonwealth Games 2002. „Ohne eine langfristige Vision wäre nichts davon möglich gewesen. Es ging darum, dieses Gelände neu zu beleben und Arbeitsplätze zu schaffen“, so O‘Rourke. „Es ging nicht um die Commonwealth Games oder die Olympischen Spiele.“

Charles Johnston, heute Managing Director von Centrix und damals beim wichtigen Geldgeber Sport England tätig, erklärte, für ihn habe vor allem die Wirkung auf die Gemeinschaft im Vordergrund gestanden. Bei einem derart langfristigen Projekt sei es entscheidend gewesen, öffentliche Investitionen mit kommerziellen Aktivitäten zu verbinden. 

Image
Bild
Manchester Velodrome

© IAKS | Silke Baltzer

Text

Paul Mullan, Head of Performance bei British Cycling (BC), betonte, das Velodrom sei eine gemeinsam genutzte Anlage: Der Breitensport sei dort ebenso wichtig wie der Spitzensport. Venue Manager Ian Harkins stellt die Frage, wie sich Menschen gezielt für einen Besuch gewinnen ließen. Nach wie vor gelte die Anlage vielen als Einrichtung von BC und als reines Elitezentrum, was jedoch nicht zutreffe. Er stellte Rabatte für Anwohner, innovative Partnerschaften, Beschäftigungsrichtlinien und ein Programm vor, das Schulkinder in die Anlage bringt. Dennoch bestehe weiterhin ein Imageproblem.

Der erste Tag endete mit einem Rundgang über den höchst beeindruckenden Trainingscampus der City Football Academy und einem hervorragenden Abendessen in der Mancunian Suite des Etihad Stadium, eine von vielen Gelegenheiten zum Netzwerken und Austausch während der Veranstaltung. 

 

Text

Ideen für Aktivräume, neue Parks und einen Sportcampus

Image
Bild
Shaun Dawson ManCity

© IAKS | Silke Baltzer

Text

Zu Beginn des zweiten Tages berichtete Shaun Dawson, wie viel Aufwand in den Aufbau der neuen IAKS-Sektion UK & Irland geflossen ist. Sie soll hoffentlich bald ihre Arbeit aufnehmen.

Neil Fairland, Strategic Director of Neighbourhoods beim Stadtrat von Manchester, griff das Thema des ersten Tages auf: den Niedergang im Osten der Stadt. „Manchester hatte sein Selbstbewusstsein verloren“, erklärte er. Die Bewerbungen um Großveranstaltungen dienten dazu, den Osten Manchesters wiederzubeleben. Dahinter standen Ideen für Aktivräume, neue Parks und einen Sportcampus. „Wir haben das Velodrom als Zeichen unserer Entschlossenheit gebaut“, so Fairland.

Mit dem Zuschlag für die Commonwealth Games hätten sich Vision und Ehrgeiz ebenso ausgezahlt wie das Streben nach besserer Verkehrsanbindung (die Metrolink-Stadtbahn ließ sich für die Spiele zwar nicht mehr realisieren, doch die nötigen Flächen wurden gesichert). Anlagen wie das Stadion wurden von Anfang an mit Blick auf ihre spätere Nutzung und ihre Wirtschaftlichkeit geplant. Wie die Teilnehmenden bereits erfahren hatten, baute die Stadt das Stadion erst, nachdem der damals noch unbedeutende Manchester City Football Club zugesagt hatte, vom alten Stadion an der Maine Road dorthin umzuziehen.

Text

Entscheidender Faktor: Waterfall-Zahlungen

Text

Fairland erläuterte das zentrale Waterfall-Zahlungsmodell, das für die fortlaufende Entwicklung des gesamten Gebiets maßgeblich ist. Dabei reinvestieren Sport England und der Stadtrat Gewinne aus großen Anlagen wie dem Etihad Stadium in den Breitensport und in gemeinnützige Sportangebote in ganz Manchester. Besonderes Augenmerk liegt darauf, dass die Angebote erschwinglich und für die lokale Bevölkerung geeignet sind. 

Manchesters langfristiger Erfolg, so sagte er, habe auf das gesamte Vereinigte Königreich ausgestrahlt. „Manchester hat den Weg bereitet für den Erfolg der Olympischen Spiele in London. Anderenfalls hätten weder das IOC noch die Regierung Vertrauen in das Vermächtnis der Spiele gehabt.“

Die Einbindung der Gemeinschaften sei von entscheidender Bedeutung gewesen, betonte Trudi Else von Sport England. Es habe eine Verbindung zu den Menschen vor Ort gebraucht, damit sie die Vision und den Ansatz sowie deren Nutzen, etwa für Sport und Beschäftigung, nachvollziehen konnten.

Ian Slater, Assistant Director of Major Regeneration beim Stadtrat, hob die Bedeutung von Partnerschaften hervor – ein weiterer Grundsatz, den viele Redner betonten. „Es war entscheidend, Partner mit gemeinsamen Werten zu finden, um das Beste für unsere Einwohner herauszuholen“, sagte er den Zuhörenden.

Image
Bild
Manchester Sport City

© IAKS | Silke Baltzer

Image
Bild
Manchester Sport City

© IAKS | Silke Baltzer

Text

Nachnutzung von Anfang an mitgedacht

Image
Bild
Manchester Sport City

© IAKS | Silke Baltzer

Image
Bild
Manchester Sport City Group Picture

© IAKS | Silke Baltzer

Text

Paul Shakespeare von Populous erläuterte, wie geschickt die Nachnutzung des Commonwealth Games-Stadions von Beginn an mitgedacht worden war. Er stellte auch die Idee eines umfassenderen Fußballcampus vor mit Spielfeldern für die Gemeinschaft und einer Akademie, von der aus man das Etihad-Stadion sehen kann. So entstehe eine „Leiter der Sehnsucht“, die dazu motiviere, selbst einmal auf höchstem Niveau zu spielen. 

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung gaben Prof. Larissa Davies von der Manchester Metropolitan University und Dr. Daniel Fujiwara von The Sports Consultancy Einblicke in den gesellschaftlichen Nutzen, die Auswirkungen auf die Gesundheit und die Rentabilität von Investitionen in Sport und Bewegung. Im Mittelpunkt stand der gesellschaftliche Wert von Premier-League-Stadien, der über die bekannten wirtschaftlichen Effekte deutlich hinausgeht und eine breite soziale Wirkung entfaltet. Zum Abschluss skizzierte Joe Dale von Crest Experiences die Bandbreite sozialer und wirtschaftlicher Vorteile, die der geplante große Surfpark „Surf London“ im Londoner Lee Valley Regional Park mit sich bringen soll: finanzielle Erträge, Arbeitsplätze, Zugang zu Parkanlagen, Spielbereiche und zahlreiche weitere Aktivitäten. Zudem betonte er, man müsse Investoren zeigen, dass die Menschen bereit sind, Geld und Freizeit für großartige Erlebnisse aufzuwenden.

Ein herzliches Dankeschön an alle, die an dieser Konferenz der IAKS UK & Irland teilgenommen, dort gesprochen, moderiert, sie ausgerichtet, gesponsert und organisiert haben. Besonderer Dank gilt Tom Jones von Populous als Initiator und treibende Kraft der Veranstaltung sowie der Arbeitsgruppe IAKS UK & Irland.